»Mein Name ist Schellfisch. Sehr erfreut!«
Schellfisch wächst an der Küste auf; zweitausend Bewohner zählt der Ort im Winter, im Sommer kommen ein paar Hundert Urlauber dazu. Doch anders als den Ausflüglern und Touristen tun sich für Schellfisch nach der Schule nur zwei Perspektiven auf: im Stahlwerk zu schuften oder im Vertriebszentrum zu versauern – wie Schellfischs Mutter. Die trägt schwarzen Lippenstift und ernährt Schellfisch mit den Fischstäbchen, die ihre Liebhaber in der Tiefkühltruhe vergessen. Schellfisch wird zum Müllaufsammeln in den Dünen verdonnert und färbt sich die Haare blau. Wenn man für andere unsichtbar ist, kann man aussehen, wie man will, und braucht auch keine Pronomen. Doch insgeheim wünscht sich Schellfisch, beachtet zu werden und aus diesem Leben auszubrechen. Mit Duncan, der im Hospiz die Medikamente der Verstorbenen mitgehen lässt, Céline, die auch im Hochsommer Pelzmantel trägt, und Jeremy, der sich die Schneidezähne hat spitz feilen lassen, bildet Schellfisch eine eingeschworene Truppe – bis Schellfisch eines Tages zu weit geht. Aber auch ohne die Freunde und mit einer frischen Narbe im Gesicht denkt Schellfisch gar nicht erst daran zu kapitulieren, sondern sucht sich einen neuen Platz in der Welt.