Interview mit David Nathan

14.04.2018
Interview mit David Nathan

David Nathan ist die vielleicht bekannteste Stimme Deutschlands und wurde u.a. bereits mit dem »Hörspiel Award« und der Auszeichnung »Deutscher Hörbuchpreis« geehrt. Auch die parallel zu den Printausgaben erscheinenden Hörbucher von Haruki Murakamis »Die Ermordung des Commendatore« hat David Nathan eingelesen ... für ihn mehr ein Herzenswunsch als ein gewöhnlicher Job.

Tessa Müller, Leitung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei Hörbuch Hamburg, nahm die Veröffentlichung des zweiten und letzten Bandes von »Die Ermordung des Commendatore« (erscheint am 16.04. als Buch und am 30.04. als Hörbuch) zum Anlass, um mit David Nathan zu sprechen:

In dem neuen Roman von Haruki Murakami gibt es viele Anspielungen auf Lewis Carrolls »Alice im Wunderland« – z. B. ist die Schwester des Protagonisten davon überzeugt, dass es den Märzhasen und die Grinsekatze wirklich gibt, und dann verschwindet die Hauptfigur tatsächlich auch noch in einem Loch im Boden. Witzigerweise haben Sie in der Verfilmung von »Alice im Wunderland – hinter den Spiegeln«, produziert von Tim Burton, den Hutmacher, also die Rolle von Jonny Depp, synchronisiert. Das Surreale, Geheimnisvolle in der Literatur / beim Film, liegt Ihnen das als Sprecher besonders?

»Alice im Wunderland« ist ein Buch meiner Kindheit. Ich war schon als kleiner Junge Fan von Stanislaw Lem und seiner Science Fiction. Also ja, ich habe einen Draht zu solchen Geschichten. Ob mir diese Stoffe als Vorleser besonders liegen, müssen andere entscheiden. Jedenfalls ist es mir meistens ein Vergnügen, sie vorzutragen.

Und als Privatmensch David Nathan? Können Sie den Wunsch oder die Faszination verstehen, dass es neben dem Sichtbaren, neben unserer Alltagswelt auch noch etwas Unerklärbares, nicht Fassbares, so etwas wie Parallelwelten gibt? Und glauben Sie, dass es tatsächlich so etwas geben könnte?

Geschichten von andersartigen Welten sind eine Möglichkeit, für kurze Zeit der Realität zu entfliehen und sich woandershin zu träumen. Insofern ist die Faszination vieler Menschen dafür logisch und verständlich. Privat bin ich allerdings wohl eher Realist. Mit Esoterik oder Verschwörungstheorien kann ich nichts anfangen. Ich würde mir allerdings nie ein Urteil darüber anmaßen, ob es zum Beispiel höhere Mächte gibt oder nicht gibt.

Warum war es Ihr Herzenswunsch (so wurde uns das von unserem Lektorat glaubhaft versichert), die Hörbücher von Haruki Murakami einzulesen? Und was verbindet Sie mit diesem Autor / mit seinem Werk?

Murakamis Texte zu lesen, ist einfach ein Vergnügen. Seine Sätze sind klar, kurz, präzise und trotzdem geheimnisvoll und vielschichtig. Sich damit zu beschäftigen, ist für mich sehr anregend und beflügelnd, aber auch eine Herausforderung. Was will man mehr?

Worum geht für Sie hauptsächlich in dem neuen Roman von Haruki Murakami?

Für mich geht es um Melancholie, ums Alleinsein, auch um die Ehe und den Tod. Aber jeder Hörer wird wahrscheinlich andere Dinge nennen. Der Roman ist ein bisschen wie ein abstraktes Gemälde. Jeder sieht etwas anderes.

Warum würden Sie empfehlen, diesen zu hören?

Murakamis Erzähltempo ist nie langweilig, aber langsam. Wer diese Entschleunigung mag und nichts gegen ein wenig Melancholie hat, der kommt in den Genuss einer sehr intelligenten, merkwürdigen und spannenden Geschichte.

Externe Links: »Die Ermordung des Commendatore I« als Hörbuch, »Die Ermordung des Commendatore II« als Hörbuch

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