Wenn aus Zuwendung Übergriff wird
Viele gute Ideen haben wir der Reformpädagogik zu verdanken. Doch die Fähigkeit zur Selbstkritik scheint ihr bisweilen zu fehlen – mit fatalen Folgen für die ihr anvertrauten Schützlinge. Die Odenwaldschule galt fast hundert Jahre lang als das reformpädagogische Vorzeigeinternat und war doch Schauplatz eines unheimlichen Lehrstücks. Während man den Schulleiter Gerold Becker als charismatischen Superlehrer feierte, ließ dieser alle Formen sexuellen Missbrauchs zu – und beging sie selbst. Christian Füller, Journalist und ausgewiesener Kenner der Bildungslandschaft Deutschland, stellt in ›Sündenfall‹ die entscheidende Frage: ob nicht der Missbrauch die Achillesferse der Reformpädagogik ist. Nur wenn sich die Reformpädagogen mit der Nähe zwischen Lehrern und Schülern aufrichtig auseinandersetzen, können sie ihre Integrität zurückgewinnen – und Schüler geschützt werden.
»Wodurch ließ sich die pädagogische Elite Deutschlands korrumpieren? Sie hat getan, was sie nie wieder tun wollte: wegsehen, nicht-wahrhaben-wollen, zum Komplizen werden. Der Fall Odenwaldschule ist der Sündenfall der liberalen Republik.« Christian Füller
Christian Füller, geboren 1963 in München, studierte Politikwissenschaften und leitet seit 1997 das Bildungsressort der Berliner tageszeitung. Er forschte am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung. 2008 veröffentlichte er ›Schlaue Kinder, schlechte Schulen‹, 2009 folgte ›Die gute Schule. Wo...
mehr über den Autor"Man muss es Füller hoch anrechnen, dass er in seiner Redaktion und in seinem Buch bei diesem Thema kein Blatt vor den Mund nimmt."
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG
„Christian Füller gelingt es mit klarem Blick und tiefer Einfühlung sehr gut die Missbrauchs-Mechanismen offenzulegen.“
AACHENER ZEITUNG